Kategorien
Auswanderung Leipzig

Der Plan vom Auswandern nach Kanada

Unser Plan von der Auswanderung nach Kanada. Warum wir diese Entscheidung getroffen.

Warum Auswandern?

Kanada – Wir tragen uns seit einigen Jahren mit dem Masterplan vom Auswandern nach Nordamerika. Nun wird es ernst. Ich möchte hier die Beweggründe beschreiben, und warum wir die Entscheidung so getroffen haben. Natürlich ist das keine Entscheidung, die man sich leicht macht und die man in einer Partnerschaft allein trifft. Dennoch sind viele der Beweggründe hier aus meiner persönlichen Sicht beschrieben. Das bedeutet natürlich nicht, dass hier nur meine Meinung gezählt hat – aber meine Sicht kann ich am besten beschreiben.

Mangelerscheinungen?

Eins vorweg: Es ist nicht so, dass wir Deutschland oder Europa in irgendeiner Art und Weise satt haben oder uns etwas von hier vertreibt! Das unterscheidet uns schon einmal von Menschen, die in ihrem Heimatland keine Zukunft für sich sehen oder gar verfolgt werden. Wir haben hier ein entspanntes Leben, und es mangelt uns an Nichts. Ich finde, dass ist wichtig zu erwähnen, weil einige Zeitgenossen derzeit gern behaupten, dass hier alles ganz schlimm ist und immer schlimmer wird (Flüchtlingskrise, Wirtschaftskrise etc.). Dieser Umstand trägt sicher auch dazu bei, dass wir es nicht wirklich eilig haben, hier die Zelte abzubrechen.

Herausforderung!

Was uns wirklich bewegt, ist die Lust auf neue Herausforderungen. Und dieses Wort meine ich so, wie es eigentlich gemeint ist und nicht so, wie es uns Kommunikationsberater einbläuen wollen, nämlich als Umschreibung für »Problem«.  Wir haben direkt nach dem Studium zusammen ein kleines IT-Unternehmen gegründet und arbeiten immer wieder in neuen Projekten mit anderen Kunden. Eigentlich abwechslungsreich, aber auf Dauer ist es eben doch immer wieder das Gleiche. Die Arbeit macht Spaß, aber ich sehe mich in 10 Jahren nicht mehr in dem Job. Ganz nebenbei ändert sich unser Geschäftsumfeld derzeit recht stark, sodass wir unser aktuelles Geschäftsmodell nicht mehr all zu lange fahren können. Wir sind also ohnehin gezwungen, in den nächsten Jahren etwas zu ändern – dann doch aber bitte richtig und jetzt wo es uns gut geht. Man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Das ist dann wohl jetzt.

Fernweh!

Wir haben beide eine Reisemeise und sind schon in einigen Ecken unterwegs gewesen. Das Fernweh zog uns von Moskau und Seattle über Rom und Stockholm bis hin nach Paris und Amsterdam. Besonders hat es uns dabei aber Nordamerika angetan – seit 2010 Kanada im Besonderen. Ich persönlich habe schon seit Schulzeiten den Wunsch, einmal längere Zeit im englischsprachigen Ausland zu verbringen. Erstens, um etwas Neues zu erleben, zweitens weil der kulturelle Unterschied nicht all zu groß ist und drittens, weil ich der Sprache halbwegs mächtig bin. Während der Schulzeit wollte ich gern ein Austauschjahr machen – jedoch fehlten mir damals die dafür nötigen finanziellen Mittel. Stattdessen habe ich meine Sommerferien und auch die ersten paar Semesterferien damit verbracht, als Reiseleiter für deutsche Jugendliche auf Sprachreisen in England zu arbeiten. Das war ja auch irgendwie Auslandserfahrung, wenn auch nur maximal acht Wochen am Stück.

Warum Kanada?

Historische Wanderlust

In meiner Kindheit war ich viel mit meiner Omi im Urlaub. Offenbar überspringt die Wanderslust bei uns eine Generation. Als ich noch ein kleines Kind war, waren wir in Thüringen, im Harz, an der Ostsee und im Erzgebirge. Nach der Wende wurde der Radius etwas größer, so dass wir in Österreich, in Bayern und in Ungarn Urlaub machten. Das Highlight war dabei sicher die Rundreise zum Nordkap über Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. Auch mit meinen Eltern waren wir in Dänemark, Italien, Frankreich und im Herbst immer im Rhein-Mosel-Gebiet. Bis dahin alles, was man mit Auto oder Bus erreichen konnte. Meine ersten eigenständigen Reisen gingen nach England zur Sprachreise, nach Bulgarien (der erste Flug in meinem Leben) und nach Spanien.

Nordamerika

Man hätte als Schüler oder Student auch irgendwo in den Süden fahren können – jedoch reichen meine Erfahrungen mit Spanien und Italien aus, um zu sagen »Urlaub südlich der Alpen ist nicht mein Ding«. Ich brauche keinen Strand, keine andauernde Hitze und keine »mañana, mañana«-Attitüde. Ich bin eher der Typ fürs kühle Klima. So kam es, dass ich mich für England begeisterte. Im Dezember 2008 stand die erste große Fernreise nach Boston in den USA an. Hier begann wohl für mich die Begeisterung für Nordamerika – ich sage bewusst nicht USA, weil Neuengland doch etwas ganz anderes ist als zum Beispiel Texas oder die ländlichen Gegenden in der Mitte.

Kanada 2010 und 2012

Im Sommer 2010 – zwei Tage nach Abgabe meiner Diplomarbeit – sind wir nach Vancouver in Kanada geflogen. Dort angekommen hatte ich schon am Flughafen ein seltsames Gefühl von »hier bist du zu Hause«. Verstärkt wurde dieses Gefühl auf einer fünfwöchigen Rundreise mit Camper und Mietwagen durch die Rocky Mountains, die Wildnis am Clearwater Lake und die Regenwälder an der Pazifikküste von Vancouver Island.

Nach diesem Trip hat mich das Land nicht mehr losgelassen. Zwei Jahre später sind wir dann nochmal mit Zelt und Mietwagen auf Vancouver Island und an der Westküste unterwegs. Auch diese Eindrücke haben den Wunsch, dort zu leben nur noch mehr verstärkt. Wenn ich heute an die glücklichsten Momente überhaupt zurückdenke, dann kommen mir sehr schnell die Bilder vom Trip zum Mount Alber Edward (1, 2, 3) und der Wanderung auf den Mount Seymore in den Kopf. Was ist Glück? Das ist Glück!

Vancouver und die kanadische Westküste

Na klar – das war alles Urlaub und da ist eh alles schön! Dem sind wir uns bewusst. Und ja, auch in Deutschland gibt es schöne Ecken. Es mag sein, das wir etwas geblendet sind. Wenn man aber überlegt, dass man von einem Punkt aus Strand, Ozean, Berge mit Schnee, Annehmlichkeiten der Großstadt und unendliche einsame Wildniss binnen 2 Stunden erreichen kann, wird es schon recht eng mit der Wahl eines Lebensortes in unseren Breitengraden.

Weiterhin entspricht das Klima von Vancouver sehr unseren Bedürfnissen. Es ist im Winter nicht zu kalt (Ozean) und im Sommer nicht zu warm (Ozean). Wenn man aber lieber Extreme will, fährt man im Winter nach Whistler (knapp 2 Stunden) oder im Sommer ins Okanagan Valley mit seinen Weinbergen.

Ein weiterer Punkt, der für Kanada und insbesondere für Vancouver spricht, ist der Arbeitsmarkt. Unser größter Traum wäre es, eine Lodge mit einem kleinen Bed and Breakfast zu betreiben – »nichts, mit einer professionellen Edelstahlküche«. Dieser Traum ist nicht ganz unrealistisch, aber momentan noch weit entfernt. Für diesen Traum braucht man ein ganzes Stück Eigenkapital. Grundsätzlich haben wir zwar Einiges angespart, aber für eine Lodge aus der Portokasse reicht es eben noch nicht. Da wir als Neulinge in Kanada auch noch keine Bankhistory vorweisen können, sind kanadische Banken auch nicht bereit, uns breitwillig einen Kredit zu gewähren. Also müssen wir uns erst einmal eine Bankhistory aufbauen. Sprich, wir müssen dort leben, ein Einkommen haben und unsere Rechnungen pünktlich bezahlen. Dann können wir das angehen. Bis dahin muss wenigstens einer von uns dafür sorgen, dass so viel Einkommen reinkommt, wie es Kosten zu decken gibt. Und das ist schon eine Herausforderung!

Wir haben uns also dazu entschlossen, dass ich mir einen Job in Festanstellung suche, der uns das Überleben sichert. Das ist am ehesten möglich, wenn ich in meinem Umfeld als IT-Projektleiter oder -Berater weiterarbeite. Dafür stehen die Chancen in Vancouver auch gar nicht so schlecht – wobei ich gestehen muss, dass ich noch keine Stelle gesehen habe, die heute ausgeschrieben ist und im Dezember 2017 beginnen soll. Wir werden uns dahingehend also noch etwas überraschen lassen und erst mal die Vorbereitungen angehen.

Schlechte Erfahrungen

Was wir in unseren Beiträgen zur Reise nach Kanada nicht beschrieben haben, ist, dass uns die komplette Campingausrüstung aus dem Auto geklaut wurde. Wir haben also schon ein paar behördliche Rennereien in Vancouver hinter uns (Versicherung, mehrfach Polizei). Dabei ist uns – wie schon so oft – aufgefallen, dass die Menschen dort sehr freundlich und hilfsbereit sind. Es ist eben etwas anderes, wenn man mit einem Lächeln und »How are you?« begrüßt wird, statt dem deutschen »Jaaa?«. Es mag sein, dass das alles nur Oberfläche ist – aber für den Umgang miteinander ist es definitiv förderlich. Insgesamt – so scheint es uns – ist man in Kanada wohl etwas entspannter unterwegs. Es ist nicht die »Schaffen, Schaffen, Schnell, Schnell«-Einstellung wie in Deutschland und auch nicht die »mañana, mañana«-Einstellung der Südeuropäer. Kurz um: Mir gefällt der Schlag Mensch, so wie wir ihn in Kanada kennengelernt haben.

Warum jetzt?

Der Zeitpunkt ist so eine Sache für sich. Wann geht man ein solches Vorhaben an? Uns drängt ja nichts. Dennoch gibt es so ein paar Dinge, die uns antreiben.

Burn-out

Das Jahr 2014 endete für mich mit einer sehr prägenden Erfahrung, weil mit einigen komplexen Projekten, viel Arbeit und ein paar aussichtslosen Situationen konfrontiert war. Es endete damit, dass ich am 27. November Abends im Büro saß und eigentlich nur drei Zahlen im Excel zusammenaddieren musste – aber das nicht mehr geschafft habe. Ich rief meine Mutter an und wir telefonierten eine Weile. Am nächsten Tag bin ich dann zu meiner Hausärztin gegangen, die mir nach einigen Fragen direkt ins Gesicht sagte: »Sie machen jetzt nur noch einen Anruf an Ihre Auftraggeber, und zwar, dass Sie erst mal nicht weiterarbeiten können.« Sie diagnostizierte eine schwere Erschöpfung – eine Vorstufe zum Burn-out.

Bis zu diesem Moment hatte ich mich geweigert, dieses Thema für mich zu akzeptieren. Aber die Anzeichen waren alle wie aus dem Lehrbuch. Ich saß oder lag von dem Tag an knapp vier Wochen nur zu Hause und habe keine E-Mail gelesen, keine Anrufe angenommen und keine anderen Kommunikationsmittel angesehen. Im Nachgang sind mir dann so einige Dinge aufgefallen – es ging so weit, dass ich einen erhöhten Puls bekam, wenn der Wecker klingelte oder ich eine SMS bekam. In der Phase hatte ich sehr viel Zeit, um über Dinge nachzudenken. Gibt das alles Sinn? Wo soll das enden? Ist der Job der richtige? Zum Jahreswechsel war dann das Gröbste überstanden, sodass ich wieder nach vorn schauen konnte. Ich beschloss für mich, dass das Jahr 2015 ein Jahr der Entscheidung werden musste. Ich gab mir also Zeit bis Ende des Jahres zu entscheiden, wie die nächsten 10 Jahre aussehen sollen.

Comeback

Das neue Jahr begann – dank eines großen Verständnisses und Unterstützung meines Hauptauftraggebers – schrittweise. Ich hatte alle Projekte, die mir den letzten Nerv geraubt hatten, abgegeben und konnte mich Stück für Stück wieder an die Arbeit herantasten. Zu einem Termin bin ich mit einer Kollegin mit dem Auto gefahren. Während der Autofahrt haben wir uns dann über einige private Themen unterhalten, unter anderem über den Wunsch des Auswanderns. Ein prägender Satz des Gesprächs war »Rico, macht das jetzt. Irgendwann seid ihr im Leben eingerichtet und könnt nicht mehr neu anfangen.« Gemeint war, dass man irgendwann ein Haus hat, der Garten schön gemacht ist, die pflegebedürftigen Eltern mit im Haus wohnen und man da nicht mehr so einfach rauskommt. Sie selbst hatte auch mal so einen Traum – hat die Schritte aber nie genommen, und heute würde das für sie alles keinen Sinn mehr geben.

Vielleicht ist der Abbruch aller Zelte hier der größte Fehler unseres Lebens – aber wenn wir scheitern, sind wir immer noch jung genug, um nochmal von vorn anzufangen. Wenn man es erst in den 50ern versucht und dann nach 5 Jahren scheitert, ist es mit 60 sehr schwierig nochmal was Neues zu beginnen. Eines weiß ich aber jetzt schon – es wäre der größte Fehler des Lebens, es nicht zu versuchen. Dann würde ich mich immer fragen, »Was wäre heute, wenn wir damals den Schritt gewagt hätten?« Und das möchte ich mir später nicht selber zum Vorwurf machen. Dieses Gespräch war irgendwie der Auslöser, dass wir uns einen Termin setzen müssen und dann darauf hinarbeiten.

Zeitplan

Nun musste also ein Termin her. Wer uns kennt, der weiß, dass wir nicht einfach Hals über Kopf handeln, sondern schon etwas überlegter an die Sache rangehen. Ohne neuen Job machen wir den Schritt nicht. Ohne geregelte Übergabe oder Abschluss unserer Verantwortlichkeiten machen wir nichts. Also haben wir uns überlegt, wann ein sinnvolles Datum für den Schritt wäre. Am Ende lief es auf ganz banale Dinge hinaus, wie »Wann läuft der größte Vertrag aus, den wir laufen haben?« – So wollen wir sicherstellen, dass wir keine sinnlosen Kosten verursachen. Fazit: Ein neues Auto wird nicht mehr geleast! Es klingt also ganz trivial: Das Datum für die Auswanderung nach Kanada ist das Ende unseres Kfz-Leasingvertrags. Somit stand fest, dass wir Ende Oktober/Anfang November 2017 die Zelte abbrechen wollen.

Nun gilt es, alles darauf auszurichten. Eines der größten Themen dabei ist sicherlich, dass wir unsere Selbstständigkeit aufgeben würden und auch für unsere Geschäftspartner dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir reden hier aber von fast zwei Jahren Vorlaufzeit, sodass wir uns alle gut darauf vorbereiten können, wenn wir es wollen.

Folge uns auf Instagram

2 Antworten auf „Der Plan vom Auswandern nach Kanada“

Toller Artikel, ein Bekannter von mir war die letzten Jahre nur mit dem Rucksack unterwegs. Geld hat er sich im Reiseland verdient. Wenn du/ ihr Interesse habt, gebe ich Euch den Kontakt. Viel Erfolg an der Stelle. Es wird spannend.

Hallo Björn,
Vielen Dank! Kontakte von interessanten Leute mit offenbar ähnlichen Anwandlungen sind immer willkommen.
Viele Grüße, Rico

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

de_DE