Die Vorbereitungen – Recherche

Auswandern ist in erster Linie ein Thema der Planung und der Recherche. Hals über Kopf ist da schon mal nicht und das haben wir auch nicht vor. Ich will ja schließlich nicht ein Solarium auf Mallorca eröffnen, weil dort alle hinkommen um sich zu sonnen. … und außerdem: Spanisch kann ich auch nicht.

Ohne Moos nix los!

Als erstes müssen wir dafür sorgen dass wir in der neuen Heimat ein Einkommen haben.  Wie schon geschrieben, ist der Plan der Auswanderung nicht ganz neu. Wir haben also schon vor Jahren angefangen Geld beiseite zu legen. Das Ziel “Ein Jahr ohne Einkommen überleben können”  Das beinhaltet dann keine großen Sprünge, sondern reines überleben. Außerdem lebt es sich schon deutlich ruhiger, wenn man weiß, dass man noch ein paar Euro auf der Seite hat.

Spannend ist jetzt auch, dass wir den Plan schon so lange hegen dass z.B. unsere private Altersvorsorge und Krankenversicherung  auch schon so angelegt gewesen sind, dass wir die mitnehmen können. Die Rente kann weiter bespart werden oder einige Zeit ausgesetzt. Mit Riester-Rente wäre das schon mal nicht so gelaufen. Für alle Nachahmer: denkt bei Zeiten auch an solche Punkte, wäre ja schade, wenn einem das angesparte nichts mehr bringt im Alter. Und man braucht natürlich einen zuverlässigen Bankberater, der so was auch nachhaltig beachtet. Den hatten wir definitiv!

Nachdem für das erste Jahr und die Rente “gesorgt” ist, geht es nun an die Planung des laufenden Einkommens. Wollen wir uns wieder selbstständig machen oder diesmal doch in einen “normalen” Job? Nach einiger Recherche, was es heißt in Kanada selbstständig zu sein, haben wir uns entschieden: Wir werden sehen! Präferenz ist jetzt erst mal, einen Job in Festanstellung zu finden, der und das Überleben sichert. Leider ist es ziemlich schwierig von hier aus einzuschätzen, wie hoch das Einkommen sein muss, um den Standard zu halten. Kanada ist an vielen Stellen deutlich teurer, aber die Einkommen sind auch höher. Als Angestellter in unserem Metier kann man jedoch davon ausgehen, dass man nicht am Hungertuch nagen muss. Das reicht uns ja schon.

Der Vorteil an der Selbstständigkeit ist natürlich die Flexibilität und die “freie Arbeitszeiteinteilung”. Wie das geht haben wir hier schon gut geübt – bereits nach 5 Jahren lief alles so wie wir es wollten. Es ist also der Plan geboren, dass sich einer von uns einen festen Job sucht und die Grundversorgung sicherstellt. Der andere wird dann parallel wieder etwas Eigenes aufbauen. Was das wird? Wir werden sehen! Vielleicht die Lodge mit Bed & Breakfast am See in den Bergen, vielleicht was anderes.  Wenn alle Stricke reißen, sind wir uns auch nicht zu schade bei Tim Hortons Kaffee zu verkaufen.

Ich bin mit meinem aktuellen Job hier ganz zufrieden und könnten das auch ruhig noch eine Weile machen. Tilo ist sich da nicht ganz so sicher und würden gern nochmal was ganz anderes probieren. Somit ist klar, wer von uns welchen Part übernehmen wird. Ich suche mir also eine Job. Nebenbei hat das auch einen anderen Vorteil, wenn erst mal nur einer sucht: Es gibt keinen Streit, wenn beide eine gute Stelle bekommen könnten, der eine aber in Calgary und der andere in Victoria. So sind wir mit der Wahl des Wohnortes noch relativ frei, wenngleich Vancouver natürlich ganz oben auf der Liste steht.

Wie funktioniert die Einwanderung nach Kanada?

Wer in Kanada leben und arbeiten möchte, muss geordnet einwandern. Dazu gibt es ein Bewerbungsverfahren bei dem man nach definierten Kriterien bewertet wird und ggf. eingeladen wird, die Unterlagen einzureichen. Am Ende steht dann der Permanent Resident Status.  Bevor jetzt gleich manch einer sagt “Das sollten wir hier auch einführen und nicht einfach jeden ins Land lassen!”, das ist hier genau so! Wir sind keine Flüchtlinge; wir müssen nicht um Leb und Leben fürchten oder damit rechnen, dass uns die Wohnung weggesprengt wird oder wir aus irgendwelchen Gründen verfolgt werden. Wir wollen geordnet in das Land einreisen. Und dafür gibt es faire Regeln, wie in Deutschland auch.

Was sind den nun die Möglichkeiten zur Einwanderung? Das Einfachste wäre, wenn einer von uns Kanadier wäre oder Verwandte dort hätte. Haben wir beide nicht, also fällt der Weg des Familiennachzugs schon mal aus. Eine Weitere Möglichkeit ist, sich als Investor zu melden und zuzusichern, Kanadiern Arbeitsplätze zu schaffen und mindesten 300.000 CAD zu investieren. Sicher eine schöne Idee, aber so groß ist der Sparstrumpf dann doch nicht.

Für bestimmte Berufsgruppen (z.B. Pflegekräfte) gibt es sogenannte “Provincial Nominee” Einladungen. Dabei vergeben die einzelnen Provinzen (vergleichbar mit unseren Bundesländern) Ausschreibungen, wer gerade gebraucht wird. Bewerber mit einem solchen Status haben es dann relativ leicht die nötigen Punkte für die Einladung zu erreichen.

Wir bewerben uns unter dem “Express Entry” Verfahren als “Skilled Worker”. Die Bewerbung läuft im ersten Schritt online ab. Dazu gibt es eine Reihe von Gebieten auf denen man Punkte sammeln kann. Z.B. bekommen junge Leute mehr Punkte als Ältere, berufserfahrene Leute bekommen mehr als unerfahrene, je höher der Schulabschluss, desto mehr Punkte, hat man in Kanada schon studiert oder gearbeitet: mehr Punkte. Hat man Verwandte in Kanada: mehr Punkte. Je besser man in Sprachtest ist, desto mehr Punkte, usw., usw. Einen riesigen Punktevorsprung bekommt man, wenn man eine feste Jobzusage von einem künftigen Arbeitgeber hat.

In Summe kann man 1.200 erreichen – derzeit reichen aber knapp 450 Punkte um in die zweite Runde zu kommen. Zweite Runde heißt, dass man gebeten wird innerhalb von 90 Tagen seine Unterlagen einzureichen. Dabei wird dann geprüft, ob die ganzen Angaben stimmen und ob es z.B. Einträge im polizeilichen Führungszeugnis gibt.

Wie sieht nun der ideale Ort zum Leben aus?

Wir machen es ein einigen wenigen Kriterien fest. Erstens: es muss Arbeit geben. Damit fällt zumindest in den ersten paar Jahren eine abgelegene Lodge in den Bergen aus. Ich werde ja einen “normalen” Job suchen und will nicht, wie heute üblich, über eine Stunde Anfahrt ins Büro haben. Weiterhin sollte eine ausgewogene “Work/Life Balance” möglich sein. Das bedeutet, dass wir nicht wie die Blöden arbeiten wollen, nur um horrende Mieten für eine Wohnung in der Innenstadt zu berappen. Wenn es geht, darf es auch etwas weniger stressig sein und sich auch Zeit finden, das Land und die Natur zu genießen. Im Übrigen: in Kanada sind 10 bezahlte Urlaubstage im Jahr das Normalmaß! Auspowern und dann vier mal im Jahr Urlaub ist also eh nicht drin.

Ein weiterer Grund ist natürlich auch das Einkommen und die dafür fälligen Steuern. Wie oben schon geschrieben, sind die Einkommen etwas höher als bei uns, wenngleich man sich als “Ausländer” auch da erst mal hinarbeiten darf. Die Einkommenssteuer ist in Kanada zweigeteilt. Eine Steuer wird an das Land (also Kanada) abgeführt und ist für alle Verdiener gleich. Es gilt, wie bei uns “ Wer mehr verdient hat einen höheren Steuersatz”. Zu dieser Steuer gibt es dann noch die “Provincial Tax”, also der Teil der an das “Bundesland” geht. Hier gibt es in jeder Provinz andere Sätze, und andere Klammern (die Einkommensbereiche für die Sätze gelten). Was erstaunlich ist – zumindest wenn ich mit unseren Zahlen rechne – wir zahlen dort dann weniger Einkommensteuer als hier. Das hätte ich so nicht erwartet. Aus verschiedener Literatur wissen wir aber auch, dass sich die Kanadier an vielen anderen Stellen hohe Steuerbeträge abholen, die hier überschaubar sind. z.B. gibt es eine Steuer die unserer Grundsteuer ähnelt – diese richtet sich aber nach dem Marktpreis der Immobile. Wenn ein Haus besonders schön ist, muss der Besitzer dafür auch viele Steuern zahlen. Steht dagegen ein verrostetet Truck vor der Tür, sinkt die Steuer. … Das wird also auch alles nochmal spannend.

In Kanada ist grundsätzlich jeder Bürger und Permanent Resident über die staatliche Krankenversicherung versichert. Diese ist zum Großteil steuerfinanziert – aber anders als das “Rundum-sorglos-Paket” hier in Deutschland. In Kanada wird man nur “Gesund” gemacht. d.h. Die Leistungen sind im Vergleich zu hier deutlich eingeschränkter. Zahnarzt, Zahnersatz, Medikamente, Protesten, Brillen, etc. – das zahlt man alles selber. Dafür kostet die gesetzliche Krankenversicherung auch nur einen Bruchteil – z.B. in British Columbia (die Provinz in der Vancouver liegt) nur 150 CAD pro Monat, für uns beide zusammen. (Stand heute)

Für uns, die ja doch hin und wieder mal zurück nach Deutschland kommen wollen, spielt natürlich auch eine Rolle, dass wir an die Welt angebunden bleiben. Wenn wir erst drei Tage mit Auto, Bus und Bahn unterwegs sein müssen um den nächsten Flughafen zu erreichen, ist das erst mal nicht optimal. Soll heißen, der Wohnort darf gern in Einzugsgebiet eines internationalen Flughafens sein.

Fazit

Wie man sieht, sind doch eine Reihe Überlegungen in den Plan eingegangen. Zum Teil haben wir schon vor Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen um uns heute das Leben leichter zu machen. Ob die Vorbereitungen und Überlegungen ausreichend sind oder ob wir was Wichtiges übersehen haben? Das werden wir sehen!  Ein “Erfolg” wie ein Solarium auf Malle wird es aber sicher nicht.

Der Plan vom Auswandern …

Wir tragen uns seit einigen Jahren mit dem “Masterplan” vom Auswandern nach Nordamerika. Nun wird es ernst. Ich möchte hier die Beweggründe beschreiben, warum wir die Entscheidung so getroffen haben. Natürlich ist das keine Entscheidung, die man sich leicht macht und die man in einer Partnerschaft allein trifft. Dennoch sind viele der Beweggründe hier aus meiner persönlichen Sicht beschrieben. Das bedeutet natürlich nicht, dass hier nur meine Meinung gezählt hat – aber meine Sicht kann ich am besten Beschreiben. 

Warum wir Auswandern? Das dauert etwas länger!

Eins vorweg: Es ist nicht so, dass wir Deutschland oder Europa in irgendeiner Art und Weise Satt haben oder uns irgendwas von hier vertreibt! Das unterscheidet uns sicher schon mal von vielen, die hier keine Zukunft für sich sehen oder gar alles schwarzmalen. Wir haben hier ein entspanntes Leben und es mangelt uns an nichts Essentiellem. Ich finde das ist wichtig zu erwähnen, weil einige Zeitgenossen derzeit gern behaupten, dass hier alles ganz schlimm ist und immer schlimmer wird. (Flüchtlingskrise, Wirtschaftskrise, etc.) Dieser Umstand trägt sicher auch dazu bei, dass wir es nicht wirklich eilig haben, hier die Zelte abzubrechen.

Was uns wirklich bewegt, ist die Lust auf neue “Herausforderungen”. Und dieses Wort meine ich so, wie es eigentlich gemeint ist – nicht wie uns Kommunikationsberater einbläuen wollen – als hübsche Umschreibung für “Problem”.  Wir haben direkt nach dem Studium zusammen ein kleines IT Unternehmen gegründet und arbeiten immer wieder in neuen Projekten mit anderen Kunden. Eigentlich abwechslungsreich, aber auf Dauer ist es eben doch immer wieder das Gleiche. Die Arbeit macht Spaß, aber ich sehe mich in 10 Jahren nicht mehr in dem Job. Ganz nebenbei ändert sich unser Geschäftsumfeld derzeit recht stark, sodass wir unser derzeitiges Geschäftsmodell nicht mehr all zu lange fahren können. Wir sind also eh gezwungen in den nächsten Jahren etwas zu ändern – dann doch aber bitte richtig und jetzt wo es uns gut geht. Man soll ja aufhören wenn es am schönsten ist… Das ist dann wohl jetzt.

Wir haben beide eine “Reisemeise” und sind schon in einigen Ecken unterwegs gewesen. Das Fernweh zog uns von Moskau bis Seattle, von Rom bis Stockholm schon an viele Orte. Besonders hat es uns dabei Nordamerika angetan – seit 2010 Kanada im Besonderen. Ich persönlich habe schon seit Schulzeiten den Wunsch einmal längere Zeit im englischsprachigen Ausland zu verbringen. Erstens um etwas neues zu erleben, zweitens weil der kulturelle Unterschied nicht all zu groß ist und drittens weil ich der Sprache halbwegs mächtig bin. Während der Schulzeit wollte ich gern ein Austauschjahr machen – jedoch fehlten mir damals die dafür nötigen finanziellen Mittel. Stattdessen habe meine Sommerferien und auch die ersten paar Semesterferien damit verbracht, als Reiseleiter für deutsche Jugendliche auf Sprachreisen in England zu arbeiten. Das war ja auch irgendwie “Auslandserfahrung”, wenn auch nur maximal 8 Wochen am Stück.

Warum Kanada?

In meiner Kindheit war ich viel mit meiner Omi im Urlaub. Offenbar überspring die “Wanderslust” bei uns eine Generation. Als kleines Kind waren wir in Thüringen, im Harz, an der Ostsee und im Erzgebirge. Nach der Wende wurde der Radius etwas größer, sodass wir in Österreich, in Bayern und in Ungarn Urlaub machten. Das Highlight war dabei sicher die Rundreise zum Nordkap über Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. Auch mit meinen Eltern waren wir in Dänemark, Italien, Frankreich und im Herbst immer im Rhein-Mosel-Gebiet. Bis dahin alles, was man mit Auto oder Bus erreichen konnte. Meine ersten eigenständigen Reisen gingen nach England zur Sprachreise, nach Bulgarien (der erste Flug in meinem Leben) und nach Spanien.

Man hätte in der Zeit als Schüler oder Student auch irgendwo in den Süden fahren können – jedoch reichen meine gemachten Erfahrungen mit Spanien und Italien aus um zu sagen “Urlaub südlich der Alpen ist nicht mein Ding”. Ich brauche keinen Strand, ständige Hitze und eine “mañana, mañana” Attitüde. Ich bin eher der Typ fürs kühle Klima. So kam es, dass ich mich für England begeisterte. Im Dezember 2008 stand dann die erste große Fernreise nach Boston USA an. Hier begann wohl für mich die Begeisterung für Nordamerika – ich sage bewusst nicht USA, weil Neuengland doch etwas ganz anderes ist, als z.B. Texas oder die ländlichen Gegenden in der Mitte.

Im Sommer 2010, zwei Tage nach Abgabe meiner Diplomarbeit sind wir dann nach Vancouver Canada geflogen. Dort angekommen, habe ich schon am Flughafen ein seltsames Gefühl von “hier bist du zuhause” gehabt. Verstärkt wurde dieses Gefühl auf einer fünf wöchigen Rundreise mit Camper und Mietwagen durch die Rocky Mountains, die Wildnis am Clearwater Lake bis hin zu den Urwäldern an der Pazifikküste von Vancouver Island.

Nach diesem Trip hat mich das Land nicht mehr losgelassen. Zwei Jahre später sind wir dann nochmal mit Zelt und Mietwagen auf Vancouver Island und an der Westküste unterwegs gewesen. Auch diese Eindrücke haben den Wunsch dort zu leben nur noch mehr verstärkt. Wenn ich heute an die glücklichsten Momente überhaupt zurückdenke, dann kommen mir sehr schnell die Bilder vom Trip zum Mount Alber Edward (1, 2, 3)und der Wanderung auf den Mount Seymore in den Kopf. Was ist Glück? Das ist Glück!

Na klar – das war alles Urlaub und da ist eh alles schön! Dem sind wir uns bewusst und ja, auch hier gibt es schöne Ecken. Es mag sein, das wir hier etwas geblendet sind. Wenn man aber überlegt, dass man diese Vielfalt von Stand, Ozean, Berge mit Schnee, Großstadt und unendlicher einsamer Wald alles binnen 2 Stunden erreichen kann, wird es schon recht Eng mit der Wahl eines Lebensortes in unseren Breitengraden.

Weiterhin spricht das Klima von Vancouver sehr für unsere Bedürfnisse. Es ist im Winter nicht zu kalt (wegen dem Ozean) und im Sommer nicht zu warm (wegen dem Ozean). Man kann also  sagen, das Wetter ist ein bisschen so, wie in Norddeutschland. Wenn man aber das Extreme haben will, fährt man im Winter nach Whistler (knapp 2 Stunden) oder im Sommer in Okanagan Valley mit seinen Weinbergen.

Was wir damals in unseren Beiträgen nicht beschrieben haben, ist dass uns im Hotel aus dem Auto heraus das komplette Camping Equipment gestohlen wurde. Wir hatten also auch ein paar behördliche Rennereien in Vancouver zu erledigen (Versicherung, mehrfach Polizei). Dabei ist uns – wie schon so oft – aufgefallen, dass die Menschen dort seht freundlich und hilfsbereit sind. Es ist eben etwas anderes, wenn man mit einem Lächeln und “How are you?” begrüßt wird im Vergleich zu “Ihren Ausweis bitte!”. Es mag sein, dass das alles nur Oberfläche ist – aber für den Umgang miteinander ist es definitiv förderlich. Insgesamt – so scheint es uns – ist man wohl etwas entspannter im täglichen Leben unterwegs. Es ist nicht die “Schaffen, Schaffen, Schnell, Schnell” Einstellung wie hier und auch nicht die “mañana, mañana” Einstellung der Südeuropäer. Kurz um: mir gefällt der Schlag Mensch, so wie wir ihn kennengelernt haben. 

Ein weiterer Punkt für Kanada, insbesondere Vancouver, sind die Job-Aussichten. Unser größter Traum wäre es eine Lodge zu betreiben mit einem kleinen Bed & Breakfast – “nichts mit einer professionellen Edelstahlküche”. Dieser Traum ist nicht ganz unrealistisch, aber noch nicht jetzt. Für diesen Traum braucht man ein ganzes Stück Eigenkapital. Grundsätzlich haben wir zwar einiges angespart, aber für eine Lodge aus der Portokasse reicht es eben noch nicht. Da wir als Kanadaneulinge auch noch keine “Bankhistory” vorweisen können, sind kanadische Banken auch nicht bereit einem breitwillig einen Kredit zu gewähren. Also müssen wir uns erst einmal eine “Bankhistory” aufbauen, sprich, wir müssen dort leben, ein Einkommen haben und unsere Rechnungen pünktlich bezahlen. Dann können wir das angehen. Bis dahin muss wenigstens einer von uns dafür sorgen, dass so viel Einkommen reinkommt, wie es Kosten zu decken gibt. Und das ist schon eine Herausforderung! Wir haben uns also dazu entschlossen, dass ich mir einen Job in Festanstellung suche, der uns das Überleben sichert. Das ist am ehesten möglich, wenn ich in meinem Umfeld als IT Projektleiter weiter arbeite. Dafür stehen die Chancen in Vancouver auch gar nicht so schlecht – wobei ich gestehen muss, dass ich noch keine Stelle gesehen habe, die heute ausgeschrieben ist und im Dezember 2017 beginnen soll. Wir werden und dahingehend also noch etwas überraschen lassen und erst mal die Vorbereitungen angehen.

Warum jetzt?

Der Zeitpunkt ist so eine Sache für sich. Wann geht man ein solches Vorhaben an? Uns drängt ja nichts. Dennoch gibt es so ein paar Dinge, die uns antreiben.

Das Jahr 2014 endete für mich mit einer sehr prägenden Erfahrung, weil mit einigen komplexen Projekten, viel Arbeit und ein paar aussichtslosen Situationen konfrontiert war. Es endete damit, dass ich am 27. November Abends im Büro saß und eigentlich nur drei Zahlen im Excel zusammenaddieren musste – aber das nicht mehr geschafft habe. Ich rief meine Mutter an und wir telefonierten eine Weile. Am nächsten Tag bin ich dann zu meiner Hausärztin gegangen, die mir nach einigen Fragen direkt ins Gesicht sagte: “Sie machen jetzt nur noch einen Anruf an Ihre Auftraggeber, und zwar, dass Sie erst mal nicht weiterarbeiten können.” Sie diagnostizierte eine schwere Erschöpfung – eine Vorstufe zum BurnOut. Ich habe mich bis zu diesem Moment geweigert, dieses Thema für mich zu akzeptieren. Aber die Anzeichen waren alle wie aus dem Lehrbuch. Ich saß oder lag von dem Tag an knapp vier Wochen nur zuhause und habe keine Mail gelesen, keine Anrufe angenommen und keine anderen Kommunikationsmittel mehr angesehen. Im Nachgang sind mir dann so einige Dinge aufgefallen – es ging so weit, dass ich einen erhöhten Puls bekommen habe, wenn der Wecker geklingelt hat oder ich eine SMS bekommen habe. In der Phase hatte ich sehr viel Zeit um über Dinge nachzudenken. Macht das hier alles Sinn? Wo soll das Enden? Ist der Job der richtige? Zum Jahreswechsel war dann das gröbste Überstanden, sodass ich wieder nach vorn schauen konnte. Ich beschloss für mich, dass das Jahr 2015 ein Jahr der Entscheidung werden musste. Ich gab mir also Zeit bis Ende des Jahres um zu Entscheiden, wie die nächsten 10 Jahre aussehen sollen.

Das neue Jahr begann – dank eines großen Verständnisses und Unterstützung meines Hauptauftraggebers – schrittweise. Ich hatte alle Projekte, die mir den letzten Nerv geraubt hatten, abgegeben und konnte mich Stück für Stück wieder an die Arbeit ran tasten. Zu einem Termin bin ich mit einer Kollegin mit dem Auto gefahren. Während der Autofahrt haben wir uns dann über einige private Themen unterhalten, unter anderem über den Wunsch des Auswanderns. Ein prägender Satz des Gesprächs war “Rico, macht das jetzt. Irgendwann seid ihr im Leben eingerichtet und könnt nicht mehr neu anfangen” Gemeint war, dass man irgendwann ein Haus hat, der Garten schön gemacht ist, die pflegebedürftigen Eltern mit im Haus wohnen und man da nicht mehr so einfach rauskommt. Sie selber hatte auch mal so einen Traum – hat die Schritte aber nie gemacht und heute macht das alles keinen Sinn mehr. Vielleicht ist der Abbruch aller Zelte hier der größte Fehler unseres Lebens – aber wenn wir scheitern, sind wir immer noch jung genug um nochmal von vorn anzufangen. Wenn man es erst in den 50er versucht und dann nach 5 Jahren scheitert, ist es mit 60 sehr schwierig nochmal was neues zu beginnen. Eines weiß ich aber jetzt schon – es wäre der größte Fehler des Lebens, es nicht zu versuchen. Dann würde ich mich immer fragen, “Was wäre heute, wenn wir damals den Schritt gewagt hätten?” Und das möchte ich mir später nicht selber zum Vorwurf machen. Dieses Gespräch war irgendwie der Auslöser, dass wir uns einen Termin setzen müssen und dann darauf hinarbeiten.

Nun musste also ein Termin her. Wer uns kennt, weiß, dass wir nicht einfach Hals über Kopf handeln, sondern schon etwas überlegter an die Sache rangehen. Ohne neuen Job machen wir den Schritt nicht. Ohne geregelte Übergabe oder Abschluss unserer Verantwortlichkeiten machen wir nichts. Also haben wir uns überlegt, wann ein sinnvolles Datum für den Schritt wäre. Am Ende lief es ab ganz banale Dinge hinaus, wie “Wann läuft der größte Vertrag aus, den wir laufen haben?” – So wollen wir sicherstellen, dass wir keine sinnlose Kosten verursachen. Fazit: Ein neues Auto wird nicht mehr geleast!  Es klingt also ganz trivial: Das Datum ist das Ende unseres Kfz-Leasingvertrags. Somit stand fest, dass wir Ende Oktober/Anfang November 2017 die Zelte abbrechen wollen.

Nun gilt es, alles darauf auszurichten. Eines der größten Themen dabei ist sicherlich, dass wir unsere Selbstständigkeit aufgeben würden und auch für unsere Geschäftspartner dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir reden hier aber von fast zwei Jahren Vorlaufzeit, sodass wir uns alle gut darauf vorbereiten können, wenn wir es wollen.

Milwaukee

Ich zitiere mal eben Wikipedia: “Milwaukee ist die größte Stadt im US-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin. Im Jahr 2010 hatte Milwaukee 594.833 Einwohner, deren Zahl sich bis 2013 auf 599.164 erhöhte. Milwaukee ist das Zentrum der Metropolregion Milwaukee, die mit 1.751.316 Einwohnern den größten Ballungsraum in Wisconsin bildet.”

In Anbetracht dieser doch recht interessant klingenden Einschätzung der weltweit zuverlässigsten Quelle, entschlossen wir uns kurzfristig dazu, einen Mietwagen zu buchen und einen Abstecher in oben genannte Stadt vorzunehmen. Also schnell das restliche Internet durchforstet und ein kleines Auto gemietet. Reicht ja. Bei der Inanspruchnahme des Verkehrsmittels stellte sich jedoch heraus, dass trotz der im Internet angegebenen Verfügbarkeit des gewählten Models, das kleine Auto nicht zur Verfügung steht. Allerdings können man für nur 2 Dollar mehr ein Upgrade erwerben, durch welches man sich in einem Ford Edge wiederfinden würde (Abbildung ähnlich).

In diesem zeitweise in unserer Verfügung stehenden Schiff segeln wir nun über den Highway in Richtung Norden. Chicago > Milwaukee sind ca. 150 km und bedürfen einer ungefähren Reisezeit von 1h 50min. Auf dem Weg eine Shoppinginsel in Form eines Outlets. Also angelegt und reingeschaut. Ja stimmt, wir brauchen nix, aber haben ist bekanntermaßen besser als brauchen. Allerdings spricht uns überraschender Weise nix an, weswegen wir ablegen und wieder Richtung Norden über den Asphalt gleiten.

Milwaukee präsentiert sich uns in erster Instanz in Form des Public Market. Eine große Markthalle mit zahlreichen regionalen Anbietern für Honig, Backwaren, Käse, Fleisch und Fisch. Der Fischstand verfügt zusätzlich über eine Sitzgelegenheit mit einem verführerischen Angebot: Lobster Dinner für 16 Dollar. Es gibt also am 27.Dezember Hummer. Das war schon 2008 so, drum ist es auch im Jahr 2015 so.

Nach diesem deliziösen Mahl erkunden wir nun diese Stadt mit ihrer halben Million Einwohner. Offenkundig sind diese Einwohner alle unterwegs. Die Stadt ist leer, also so richtig leer. Da ist nix los. Es scheint so, als wäre dieser Ort nicht auf Touristen eingestellt, denn nirgends ein Anzeichen von “Shop here” oder “Eat me” oder sonst was an typisch zurückhaltender amerikanischer Werbung. Es gibt genau einen Starbucks – und der ist geschlossen. Das sagt ja wohl alles.

Machen wir uns also mit dieser Erfahrung auf den Rückweg nach Chicago. Zurück auf dem Highway fliegen die Gewerbegebiete an uns vorbei und plötzlich taucht  auf einer Seite ein Macys auf. Direkt daneben eine Sears. Direkt daneben noch was Großes. Klug kombiniert lenkt Kapitän Rico in besagte Richtung uns was soll ich sagen: Eine Riesen-Shopping-Mall. Das sind amerikanische Maßstäbe. Von einem Ende zum anderen Ende braucht man ca. 1 Stunde zu Fuß. Ohne Worte.

Schließlich und endlich folgen wir dem Navigationsassistenten zurück nach Chicago. Glücklicherweise führt uns dieser nicht über den Highway, sondern über die “Landstraße”. Genauer gesagt durch die durchaus gepflegten und sehr beeindruckenden Vororte von Chicago. Hier kommen wir dann auch in den Genuss des bekannten amerikanischen “Ich mach mein Haus zu Weihnachten mal Bunt, denn Strom kostet nix” Wahnsinns. Alles in allem ein gelungener Tag.

Rico bringt das Schlachtschiff schließlich noch zurück in den Hafen und klein Tilo macht sich noch einmal auf den Weg in das nächtliche Chicago, um ein paar Fotos dieser bezaubernd beleuchteten Stadt zu machen.

X-Mas Day

Zugegeben … wir haben es gewusst … am 25. Dezember haben die Vereinigten Staaten von Amerika nicht geöffnet. Mit wenigen Ausnahmen sind sämtliche Einkaufs- und auch Nahrungsaufnahmemöglichkeiten geschlossen. Das stellt an sich auch keine große Schwierigkeit dar, wenn man sich am Abend zuvor bereits um die Versorgung des kommenden Sonnenaufgangs kümmert. Schwierig wird es aber, wenn einem diese vorausschauende Planung dadurch versperrt wird, dass 1.) am 24. Dezember ebenselbe Bezugsquellen auch bereits frühzeitig die Segel streichen und 2.) das Hotelzimmer nicht über den üblichen Coffee-Maker verfügt.

Dies führt nun dazu, dass sich ein kleiner Mann am Weihnachtstag früh am Morgen auf den Weg macht, bewaffnet mit Schal, Handschuhen, einer Kamera und 20 Dollar, um Frühstück zu jagen und zurück in die Hotelburg zu tragen. Ein Mann allein in einer großen Stadt. Das klingt unglaublich, ist aber Tatsache und ein absoluter Geheimtipp für alle Fotoliebhaber: Am 25. Dezember ist zwischen halb 8 und halb 9 nichts auf den Straßen los. Darum kann man sich problemlos auf die Straße stellen und mal eben ein Foto vom nicht vorhandenen Verkehr machen.

Am Ende dieser Expedition durch den schlafenden Großstadtdschungel galt es nun in alter Manier auf Futterjagd zu gehen. Glücklicherweise haben sich ein paar amerikanische Einwanderer gefunden, die für einen Mindestlohn von vermutlich 2 Dollar pro Stunden und dem Privileg jedem Kunden in den Kaffee spucken zu dürfen, am Weihnachtstag ihr Gatter öffnen. Die Beute zählt dann auch noch zu einer der nahrhaften und gesündesten der westlichen Welt: Dunkin Donuts.
Mit einem halben Dutzend erlegter Donuts in der Pappschachtel und zwei speichelfreien (ich habe genau hingeschaut) Bechern Kaffee konnte ich mich dann glücklicherweise doch wieder in die Burg zurück wagen. Ein guter Start in den Tag, der mit leichtem Sightseeing weiterging und am Ende die folgenden Eindrücke in sich vereint.

Leaving Home for Christmas

In diesem Jahr haben wir uns ja bekanntermaßen dem Strudel familiärer Weihnachtsfeierlichkeiten entzogen und ins fremde Land verabschiedet. Mittlerweile sind wir sogar angekommen. Obwohl die Reise an sich ja kein Ding ist.

Die Vorstellung, dass man morgens um 5 Uhr durch die verkniffenen und müden Augen die Umrisse des eigenen Schlafzimmers wahrnimmt, sich eine Stunde später in einen Bus in Richtung Bahnhof schleppt, um dann dort in eine S-Bahn zum Flughafen umzusteigen von dem aus man in ein bis zwei Flugzeuge steigt, die einen binnen 12 Stunden auf die andere Seite der Welt bringen, ist eigentlich absurd. Aber irgendwie ist das auch ziemlich g.. – ähm – großartig.

Das nicht ausgeschrieben G-Wort ist übrigens auch eine adäquate Beschreibung für unsere Unterkunft. Es ist ja bekannt das sich Fürsten wie wir auch nur in standesgemäßen Unterkünften niederlassen. Das Palmer House definiert das Wort pomforzionös neu.  Natürlich braucht man auch nach einer strapaziösen Reise, wie sie oben hypothetisch beschrieben wurde, einen Ort der Entspannung. Hier wird auf Ruhe und Entspannung geachtet, weshalb keine direkte Verbindung mit Internet möglich ist. Sämtliche Kontakte zur Außenwelt, müssen von selbiger vorgenommen werden. Drum erst einmal nur wenige Bilder. Der Rest wird bereitgestellt, sobald eine solide Internetverbindung es erlaubt.

Natürlich wünschen wir Euch allen ein Frohes Weihnachtsfest und geruhsame Feiertage.

USA 2015 – ein Sway

LINK ZUM SWAY ÜBER UNSEREN USA AUFENTHALT IN 2015

Was ist bitte Sway?

Mit Sway hat Microsoft die erste neue App für die Office Familie veröffentlicht. Mit Sway lassen sich verschiedenste Inhalte aus unterschiedlichen Quellen auf schnelle und einfache Weise zusammenführen. Am Ende kommt ein grafisch ansprechendes Design heraus, dass zudem noch auf die Bildschirmauflösung reagiert (responsive ist).

Etwas Neues erstellen und teilen

Mit Sway erstellen Sie ganz einfach eine ansprechende, interaktive, webbasierte Darstellung Ihrer Ideen und teilen diese mit Familie, Freunden, Lehrern und Kollegen. Sway stellt sicher, dass Ihre Kreation auf jedem Bildschirm hervorragend aussieht.

Ganz einfach Inhalte hinzufügen

Sparen Sie Zeit und bereiten Sie dem lästigen Wechseln zwischen verschiedenen Apps für unterschiedliche Inhalte ein Ende. Sway ist nahtlos in OneDrive, Ihren Geräten, sozialen Netzwerken und dem Internet integriert, sodass Sie Ihre Inhalte direkt in den Zeichenbereich ziehen können.

Müheloses Entwerfen

Das integrierte Designmodul von Sway macht das einheitliche Formatieren Ihrer unterschiedlichen Inhalte mühelos, indem es Ihren Entwurf in ein harmonisches Layout integriert. Dieses Layout können Sie dann problemlos anpassen, um Ihrem Entwurf Ihren ganz persönlichen Stil zu verleihen.

Sherlock Holmes Hörspiel 1-10